An Wahrheit interessiert?

Wie hält es der Verband Sonderpädagogik mit der kritischen Aufarbeitung der sonderpädagogischen Geschichte im Nationalsozialismus?
vds

Nach außen war der Bundeskongress des Verbands Sonderpädagogik (vds) „Respekt- Relevanz-Ressourcen“ vom 21. - 23. April in Weimar ganz dem Megathema Inklusion gewidmet. Für die Führungsriege des Verbands war jedoch das eigentliche, mit hoher Spannung und Aufregung verbundene Thema zweifellos die Rolle der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus. Dafür war eigens eine Arbeitsgruppe „Historie und Zukunft der Sonderpädagogik“ eingerichtet worden.

Was war vorausgegangen?
In ihrer jüngsten Forschungsarbeit zur „Lehrerausbildung im Nationalsozialismus“ (2014)hatte Prof. Hänsel den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, dass die Sonderpädagogik bis heute ihre eigene Geschichte verfälscht und Zusammenhänge verschweigt. Sie konnte quellenbasiert sonderpädagogische Kontinuitäten in personeller und struktureller Hinsicht vor, während und nach der NS-Gewaltherrschaft sichtbar machen. Diese Sachverhalte waren Anfang 2015 an die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Aufforderung herangetragen worden, für die notwendige historisch-politische Aufarbeitung Sorge zu tragen. Auch wenn sich die KMK letztlich ihrer Verantwortung nicht stellte, für den Verband war die sonderpädagogische Geschichte in der NS-Zeit damit zum Politikum geworden.

Der vds kündigte 2015 an, dass die Rolle der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus ein Thema seines nächsten Bundeskongresses sein werde. Hänsel, die schon seit 2006 dazu forscht und veröffentlicht, aber mit ihren Forschungsergebnissen in sonderpädagogischen Kreisen bisher totgeschwiegen worden war, bekam zum ersten Mal eine Einladung, um auf dem Kongress ihre Thesen vor Sonderpädagogen öffentlich vorzutragen und mit ihnen zu diskutieren.

Noch kurz vor Tagungsbeginn sorgte ein Zeitungsartikel für Aufregung. Darin waren nicht nur die schrecklichen Verstrickungen des Verbands und seiner damals führenden Vertreter in NS-Verbrechen detailliert dargestellt. Es wurden auch schwerwiegende Vorwürfe gegen Prof. Hillenbrand, Direktor des Instituts für Sonder-und Rehabilitationspädagogik an der Universität Oldenburg und Schriftleiter der Verbandszeitschrift, erhoben. Er habe kritische sonderpädagogische Geschichtsschreibung behindert und einen Kritiker ausgegrenzt.

Zur Logik verschwiegener Zusammenhänge
In ihrem Vortrag stellte Hänsel an zwei Beispielen exemplarisch dar, dass die Sonderpädagogik bedeutende Zusammenhänge verschweigt. Sie führte aus, dass in Standardwerken der Sonderpädagogik immer noch verschwiegen wird, dass der bis heute geltende Begriff Sonderpädagogik zur Bezeichnung der Disziplin seine Wurzeln im Nationalsozialismus hat. Er wurde geprägt von Karl Tornow und von der Reichsfachschaft Sonderschulen zum zentralen Disziplinbegriff im Nationalsozialismus erklärt. Damit einher ging eine Abgrenzung gegenüber dem Begriff der Heilpädagogik. Die neue Begrifflichkeit sollte auch die Einheit der Taubstummenpädagogik, der Blindenpädagogik und der Hilfsschulpädagogik in dem gemeinsamen Dienst am „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) zum Ausdruck bringen.

Zugleich wurde mit dem Begriff Sonderpädagogik eine neue Kategorie für Hilfsschüler eingeführt. Sie galten nicht mehr ausschließlich als „angeboren schwachsinnig“, sondern wurden als Behinderte definiert, die die Normalschule belasten, aber in der Hilfsschule für die Volksgemeinschaft brauchbar gemacht werden. Die Etablierung des neuen Begriffs führte dazu, dass in der NS-Zeit die Zahl der Kinder anstieg, die als leistungsschwach aus der Volksschule in die Hilfsschule selektiert wurden und damit potentiell von der Sterilisation bedroht waren.

Am Beispiel der bislang verschwiegenen Kooperation der Reichsfachschaft Sonderschulen mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP konnte Hänsel zeigen, dass ohne äußeren politischen Zwang freiwillige Kooperationen mit Organisationen des NS-Regimes eingegangen wurden.

Den logischen Sinn des Verschweigens sah Hänsel in dem Bemühen der Sonderpädagogik nach 1945, sich zum Anwalt der Kinder mit Behinderungen und generell des Lebensrechts von Menschen mit Behinderungen zu erklären. Um die Lücken in der Erforschung der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus zu schließen und die Geschichtskonstruktionen der Sonderpädagogik zu überwinden, schlug sie die Einrichtung einer multidisziplinär zusammengesetzten Forschungsgruppe vor. Ihr sollten nicht nur Fachleute der historischen Bildungsforschung, sondern auch der Medizin- und Psychiatriegeschichte, der Sozial- und Kulturgeschichte und der Neuen und Neuesten Geschichte angehören.

Vortrags-Potpourri anstelle von Auseinandersetzung
Eine inhaltliche Auseinandersetzung der wissenschaftlichen Vertreter der Sonderpädagogik mit Hänsels Vortragsthesen fand nicht statt. So blieb es den Zuhörern überlassen, ihre Fragen und Kommentare zu Hänsels Vortrag zu formulieren, der mit großem Beifall bedacht worden war. Vor dem geschichtlichen Hintergrund wurden insbesondere die sonderpädagogische Diagnostik und die Kategorisierung von Schülerinnen und Schülern mit Leistungsschwächen als „lernbehindert“ hinterfragt. Auf Nachfrage signalisierten Verbandsvertreter ihre Zustimmung zu der Einrichtung einer multidisziplinär zusammengesetzten Forschungsgruppe.

Eingerahmt war Hänsels Vortrag von Vorträgen, die sich aus sonderpädagogischer Sicht mit unterschiedlichen Aspekten beschäftigten. So wurden Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über die Beteiligung der Taubstummenpädagogik an der Durchführung des GzVeN, die Bedeutung der Gleichschaltung des Verbands der Hilfsschulen 1933, die Akademisierungsbemühungen der Hilfsschullehrerschaft in der NS-Zeit und die Rolle der Geschichtsschreibung auf der Suche nach Wahrheitsfindung thematisiert.

Im Licht von Hänsels Vortragsthese, dass alle Sonderschullehrer über die Sonderschule als Institution an den Verbrechen der Zwangssterilisation beteiligt waren, wirkte die Untersuchung zur Rolle der Taubstummenpädagogik von dem apologetischen Interesse geleitet, die Sonderpädagogik von ihrer Beteiligung an NS-Verbrechen freizusprechen.

Prof. Möckel wiederholte in seinem Vortrag seine bekannten Thesen zur Gleichschaltung des Hilfsschulverbands und deutete diesen Prozess als Verrat an den behinderten Kindern und der Heilpädagogik. Durch seine Rollenaufteilung in böse nationalsozialistische „Gleichschalter“ und getäuschte „Gleichgeschaltete“ konnte die Mehrheit der Verbandsmitglieder als Opfer des Nationalsozialismus erscheinen. Dass auch die „Bösen“ der Verbandsführung angehörten, geriet dabei aus dem Blick.

Prof. Ellger-Rüttgardt nutzte ihren Vortrag im Wesentlichen, um ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Erforschung der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus und ihre persönliche Motivation für ihr Forschungsinteresse herauszustellen. Dabei betonte sie ihr Interesse an Aufklärung und unterstellte Hänsel, Geschichtsschreibung zu instrumentalisieren, um die Sonderpädagogik zu kritisieren. Sie kritisierte zudem, dass Hänsel in ihrem Vortrag den Begriff des „Verschweigens“ statt des Begriffs der „Forschungsdesiderate“ gebraucht habe.

Prof. Hillenbrand verstand es, historische Aspekte der Akademisierung der Hilfsschullehrerschaft mit aktuellen Entwicklungen zu verbinden. Er bezog sich dabei zwar nicht auf Hänsels Vortrag, wohl aber auf andere Veröffentlichungen, in denen sie Tendenzen der sonderpädagogischen Ausweitung unter dem Vorzeichen von Inklusion kritisch bewertet. Inklusionsforscher Prof. Wocken nahm Hillenbrands Ausführungen zum Anlass, Hillenbrand bezogen auf sein Inklusionsverständnis und sein Menschenbild scharf zu kritisieren.

Die Vorträge sollten insgesamt zeigen, dass die Sonderpädagogik sich mit ihrer Vergangenheit wissenschaftlich seit langem auseinandersetzt. Hänsel kritisierte, dass bei all dem Zusammenhänge und Kontinuitäten verschwiegen würden. Leider reichte die Zeit für eine geordnete Abschlussdiskussion nicht mehr aus. Auf Nachfrage wurde noch einmal das Forschungsprojekt ins Spiel gebracht und gut geheißen.

An Wahrheit interessiert?
Die Veranstaltung hat positiv gezeigt, dass es durchaus möglich ist, konträre Positionen zur Geschichte der Sonderpädagogik und ihrer Erforschung durch die Sonderpädagogik in einer fairen und respektvollen Atmosphäre zu formulieren. Insgesamt aber wurde Hänsel mit ihrer These bestätigt, dass die Sonderpädagogik allein nicht in der Lage ist, ihre Geschichte kritisch aufzuarbeiten und aus den Ergebnissen adäquate Schlüsse zu ziehen. Die Idee des multidisziplinären Forschungsprojekts stellt sich angesichts dieser Ausgangslage als eine sinnvolle Perspektive dar, um sich der historischen Wahrheit zu nähern. Ob der vds an Wahrheit interessiert ist, wird sich daran messen lassen, ob er sich für die Realisierung der Idee tatsächlich tatkräftig einsetzen wird.

Nach außen war der Bundeskongress des Verbands Sonderpädagogik (vds) „Respekt- Relevanz-Ressourcen“ vom 21. - 23. April in Weimar ganz dem Megathema Inklusion gewidmet. Für die Führungsriege des Verbands war jedoch das eigentliche, mit hoher Spannung und Aufregung verbundene Thema zweifellos die Rolle der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus. Dafür war eigens eine Arbeitsgruppe „Historie und Zukunft der Sonderpädagogik“ eingerichtet worden.

Was war vorausgegangen?
In ihrer jüngsten Forschungsarbeit zur „Lehrerausbildung im Nationalsozialismus“ (2014)hatte Prof. Hänsel den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, dass die Sonderpädagogik bis heute ihre eigene Geschichte verfälscht und Zusammenhänge verschweigt. Sie konnte quellenbasiert sonderpädagogische Kontinuitäten in personeller und struktureller Hinsicht vor, während und nach der NS-Gewaltherrschaft sichtbar machen. Diese Sachverhalte waren Anfang 2015 an die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Aufforderung herangetragen worden, für die notwendige historisch-politische Aufarbeitung Sorge zu tragen. Auch wenn sich die KMK letztlich ihrer Verantwortung nicht stellte, für den Verband war die sonderpädagogische Geschichte in der NS-Zeit damit zum Politikum geworden.

Der vds kündigte 2015 an, dass die Rolle der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus ein Thema seines nächsten Bundeskongresses sein werde. Hänsel, die schon seit 2006 dazu forscht und veröffentlicht, aber mit ihren Forschungsergebnissen in sonderpädagogischen Kreisen bisher totgeschwiegen worden war, bekam zum ersten Mal eine Einladung, um auf dem Kongress ihre Thesen vor Sonderpädagogen öffentlich vorzutragen und mit ihnen zu diskutieren.

Noch kurz vor Tagungsbeginn sorgte ein Zeitungsartikel für Aufregung. Darin waren nicht nur die schrecklichen Verstrickungen des Verbands und seiner damals führenden Vertreter in NS-Verbrechen detailliert dargestellt. Es wurden auch schwerwiegende Vorwürfe gegen Prof. Hillenbrand, Direktor des Instituts für Sonder-und Rehabilitationspädagogik an der Universität Oldenburg und Schriftleiter der Verbandszeitschrift, erhoben. Er habe kritische sonderpädagogische Geschichtsschreibung behindert und einen Kritiker ausgegrenzt.

Zur Logik verschwiegener Zusammenhänge
In ihrem Vortrag stellte Hänsel an zwei Beispielen exemplarisch dar, dass die Sonderpädagogik bedeutende Zusammenhänge verschweigt. Sie führte aus, dass in Standardwerken der Sonderpädagogik immer noch verschwiegen wird, dass der bis heute geltende Begriff Sonderpädagogik zur Bezeichnung der Disziplin seine Wurzeln im Nationalsozialismus hat. Er wurde geprägt von Karl Tornow und von der Reichsfachschaft Sonderschulen zum zentralen Disziplinbegriff im Nationalsozialismus erklärt. Damit einher ging eine Abgrenzung gegenüber dem Begriff der Heilpädagogik. Die neue Begrifflichkeit sollte auch die Einheit der Taubstummenpädagogik, der Blindenpädagogik und der Hilfsschulpädagogik in dem gemeinsamen Dienst am „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) zum Ausdruck bringen.

Zugleich wurde mit dem Begriff Sonderpädagogik eine neue Kategorie für Hilfsschüler eingeführt. Sie galten nicht mehr ausschließlich als „angeboren schwachsinnig“, sondern wurden als Behinderte definiert, die die Normalschule belasten, aber in der Hilfsschule für die Volksgemeinschaft brauchbar gemacht werden. Die Etablierung des neuen Begriffs führte dazu, dass in der NS-Zeit die Zahl der Kinder anstieg, die als leistungsschwach aus der Volksschule in die Hilfsschule selektiert wurden und damit potentiell von der Sterilisation bedroht waren.

Am Beispiel der bislang verschwiegenen Kooperation der Reichsfachschaft Sonderschulen mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP konnte Hänsel zeigen, dass ohne äußeren politischen Zwang freiwillige Kooperationen mit Organisationen des NS-Regimes eingegangen wurden.

Den logischen Sinn des Verschweigens sah Hänsel in dem Bemühen der Sonderpädagogik nach 1945, sich zum Anwalt der Kinder mit Behinderungen und generell des Lebensrechts von Menschen mit Behinderungen zu erklären. Um die Lücken in der Erforschung der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus zu schließen und die Geschichtskonstruktionen der Sonderpädagogik zu überwinden, schlug sie die Einrichtung einer multidisziplinär zusammengesetzten Forschungsgruppe vor. Ihr sollten nicht nur Fachleute der historischen Bildungsforschung, sondern auch der Medizin- und Psychiatriegeschichte, der Sozial- und Kulturgeschichte und der Neuen und Neuesten Geschichte angehören.

Vortrags-Potpourri anstelle von Auseinandersetzung
Eine inhaltliche Auseinandersetzung der wissenschaftlichen Vertreter der Sonderpädagogik mit Hänsels Vortragsthesen fand nicht statt. So blieb es den Zuhörern überlassen, ihre Fragen und Kommentare zu Hänsels Vortrag zu formulieren, der mit großem Beifall bedacht worden war. Vor dem geschichtlichen Hintergrund wurden insbesondere die sonderpädagogische Diagnostik und die Kategorisierung von Schülerinnen und Schülern mit Leistungsschwächen als „lernbehindert“ hinterfragt. Auf Nachfrage signalisierten Verbandsvertreter ihre Zustimmung zu der Einrichtung einer multidisziplinär zusammengesetzten Forschungsgruppe.

Eingerahmt war Hänsels Vortrag von Vorträgen, die sich aus sonderpädagogischer Sicht mit unterschiedlichen Aspekten beschäftigten. So wurden Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über die Beteiligung der Taubstummenpädagogik an der Durchführung des GzVeN, die Bedeutung der Gleichschaltung des Verbands der Hilfsschulen 1933, die Akademisierungsbemühungen der Hilfsschullehrerschaft in der NS-Zeit und die Rolle der Geschichtsschreibung auf der Suche nach Wahrheitsfindung thematisiert.

Im Licht von Hänsels Vortragsthese, dass alle Sonderschullehrer über die Sonderschule als Institution an den Verbrechen der Zwangssterilisation beteiligt waren, wirkte die Untersuchung zur Rolle der Taubstummenpädagogik von dem apologetischen Interesse geleitet, die Sonderpädagogik von ihrer Beteiligung an NS-Verbrechen freizusprechen.

Prof. Möckel wiederholte in seinem Vortrag seine bekannten Thesen zur Gleichschaltung des Hilfsschulverbands und deutete diesen Prozess als Verrat an den behinderten Kindern und der Heilpädagogik. Durch seine Rollenaufteilung in böse nationalsozialistische „Gleichschalter“ und getäuschte „Gleichgeschaltete“ konnte die Mehrheit der Verbandsmitglieder als Opfer des Nationalsozialismus erscheinen. Dass auch die „Bösen“ der Verbandsführung angehörten, geriet dabei aus dem Blick.

Prof. Ellger-Rüttgardt nutzte ihren Vortrag im Wesentlichen, um ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Erforschung der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus und ihre persönliche Motivation für ihr Forschungsinteresse herauszustellen. Dabei betonte sie ihr Interesse an Aufklärung und unterstellte Hänsel, Geschichtsschreibung zu instrumentalisieren, um die Sonderpädagogik zu kritisieren. Sie kritisierte zudem, dass Hänsel in ihrem Vortrag den Begriff des „Verschweigens“ statt des Begriffs der „Forschungsdesiderate“ gebraucht habe.

Prof. Hillenbrand verstand es, historische Aspekte der Akademisierung der Hilfsschullehrerschaft mit aktuellen Entwicklungen zu verbinden. Er bezog sich dabei zwar nicht auf Hänsels Vortrag, wohl aber auf andere Veröffentlichungen, in denen sie Tendenzen der sonderpädagogischen Ausweitung unter dem Vorzeichen von Inklusion kritisch bewertet. Inklusionsforscher Prof. Wocken nahm Hillenbrands Ausführungen zum Anlass, Hillenbrand bezogen auf sein Inklusionsverständnis und sein Menschenbild scharf zu kritisieren.

Die Vorträge sollten insgesamt zeigen, dass die Sonderpädagogik sich mit ihrer Vergangenheit wissenschaftlich seit langem auseinandersetzt. Hänsel kritisierte, dass bei all dem Zusammenhänge und Kontinuitäten verschwiegen würden. Leider reichte die Zeit für eine geordnete Abschlussdiskussion nicht mehr aus. Auf Nachfrage wurde noch einmal das Forschungsprojekt ins Spiel gebracht und gut geheißen.

An Wahrheit interessiert?
Die Veranstaltung hat positiv gezeigt, dass es durchaus möglich ist, konträre Positionen zur Geschichte der Sonderpädagogik und ihrer Erforschung durch die Sonderpädagogik in einer fairen und respektvollen Atmosphäre zu formulieren. Insgesamt aber wurde Hänsel mit ihrer These bestätigt, dass die Sonderpädagogik allein nicht in der Lage ist, ihre Geschichte kritisch aufzuarbeiten und aus den Ergebnissen adäquate Schlüsse zu ziehen. Die Idee des multidisziplinären Forschungsprojekts stellt sich angesichts dieser Ausgangslage als eine sinnvolle Perspektive dar, um sich der historischen Wahrheit zu nähern. Ob der vds an Wahrheit interessiert ist, wird sich daran messen lassen, ob er sich für die Realisierung der Idee tatsächlich tatkräftig einsetzen wird.